Alice gibt Frauen ihre Stimme wieder
- silke05
- Feb 1, 2023
- 2 min read
Therapiehund und Hundeführerin Silke Beyer helfen Menschen, ihr Trauma zu überwinden

Traumapatientin Lena soll mit der Hilfe von Therapiehund Alice ihr Selbstvertrauen zurückerlangen
Lenas Lieblingstier ist eine Hündin namens Alice. Weil sie schönes, weiches Fell hat, gerne kuschelt und immer fröhlich ist; weil sie sie zum Lachen bringt, auch an Tagen, an denen es ihr schlecht geht. Wie neulich, als sie sich im Schlamm gewälzt hat und aus dem Golden Retriever ein „Black Retriever" wurde. Lena liebt Alice, weil sie sie ablenkt, wenn die Erinnerungen zu schmerzhaft werden.
Und weil sie ihr hilft, ihr Trauma zu überwinden. Alice ist ein Therapiebegleithund und für die Arbeit mit Traumapatienten ausgebildet. Ihre Besitzerin ist die Wittener Ergotherapeutin Silke Beyer. Wir durften das Team bei einer Therapiestunde begleiten.

Ergotherapeutin und Traumafachpädagogin Silke Beyer (l.) bietet in ihrer Praxis in Witten auch tiergestützte Therapie an.
„Das ist mein schönster Termin der Woche", erzählt Lena beim Spaziergang im Wald, der für sie alles andere als selbstverständlich ist. Lena heißt eigentlich anders, sie möchte nicht erkannt werden und auch nicht gern über ihre Vergangenheit sprechen. Die 40-Jährige hat schon öfter Ergotherapie ausprobiert: Malen, Basteln, aber nie spezialisiert auf Traumata. Die Zeit mit Alice ist für sie etwas Besonderes. ,,Wenn sie dabei ist, fühlt es sich ganz anders an, über schwere Erlebnisse zu sprechen." Als ob die Hündin mit dem blonden Fell ihr einen Teil der Last abnehme, wenn sie neben ihr liegt und sich von ihr streicheln lässt.
Ich arbeite viel mit Frauen, die Misshandlung erlebt haben
„Ich arbeite viel mit Frauen, die Misshandlung erlebt haben", erzählt Hundeführerin Silke Beyer. Manchen Patientinnen falle es schwer, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen, überhaupt die Stimme zu erheben. ,,Alice hilft ihnen, ihre Stimme wiederzufinden." Viele bauten aus Selbstschutz Mauem um sich herum auf; in Gegenwart des Hundes können sie sich ihren Gefühlen stellen.
Aber ein Hund braucht auch Führung, erklärt die Traumapädagogin ihren Ansatz. ,,Indem die Patienten Alice anleiten, lernen sie, dass sie etwas bewirken können. Dass das, was sie sagen, gehört und respektiert wird." Die Patienten geben dem Hund Sicherheit und dadurch auch sich selbst. Im Grunde gehe es um Selbstfürsorge. ,,Das, was die Patienten hier in einem geschützten Raum spielerisch lernen, schaffen sie irgendwann auch im Alltag."
Den ganzen Artikel aus der WAZ vom1.Februar 2023 können Sie hier als PDF downloaden >
Comments